Nach einer aktuellen Studie des University College London über die „Google Generation“ starten 89% Prozent der Studenten ihre wissenschaftliche Recherche mit einer Suchmaschine. Dagegen beginnen nur noch 2% mit einem Gang in die Bibliothek. Ohne dass es die wissenschaftliche Welt so recht bemerkt hat, scheint das Internet in Studium und Forschung doch einiges tiefgreifend verändert zu haben…
…und schon befinden wir uns mitten in den Fragestellungen unseres Forschungsprojekts „Wissenschaftlich Arbeiten im Web 2.0“ an der Universität Würzburg.
Wie hat das Internet das Suchen, Erforschen und Entwickeln von Wissen beeinflusst? Oben genannte Studie etwa stellt fest, dass die Juniorwissenschaftler sich sehr schwer tun Quellen zu bewerten, Informationen valide auszuwerten, Zusammenhänge zu hinterfragen. Für viele scheinen Yahoo und Google objektive Tore zur Welt des Wissens. Doch weiß jemand, wie er wirklich zu seinen Such-Treffern kommt, warum welche News ihm angezeigt werden?

Als Forscher stellen wir zunächst die Frage „Wie nutzen Wissenschaftler das Web?“ und „Was brauchen Wissenschaftler, um besser forschen zu können?“. Dann untersuchen wir, was das Internet – insbesondere die neuen technischen Möglichkeiten des Web 2.0 – für bislang ungenutzte Möglichkeiten bietet. Eine umfangreiche Untersuchung befindet sich derzeit im Feinschliff. Was wir hier lernen, setzen wir gleich in unserer eigenen webbasierten Software „scholarz.net“ um, die sich zu einer auf unsere speziellen Bedürfnisse als Forscher zugeschnittenen wertvollen Anwendung entwickelt.
Das Web 2.0 wirft Fragen auf, die insbesondere ein auf Objektivität und transparente Methodik basiertes Wissenschaftsverständnis ins Wanken bringt. Wie vereinen Sie wissenschaftlichen Anspruch und Web 2.0? Nutzen Sie das Web 2.0 in Ihrer wissenschaftlichen Arbeit? Warum, warum nicht? Wie? Wie oft? Mit wem?…
Februar 12, 2008 um 10:15 |
Was Wissenschaftler vor allem bräuchten, wäre ein freier Zugang zu Forschungsergebnissen, also den wissenschaftlichen Veröffentlichungen. Dies ist in Deutschland häufig nicht gegeben. Hat zwar nicht unbedingt was mit Web 2.0 zu tun, hätte aber einen riesigen Impact.
Februar 12, 2008 um 10:19 |
Da kann ich Sebastian nur zustimmen. Auch in Österreich ist dies ein großes Hindernis. Genaue Aussagen kann ich zwar nur für meinen eigenen Bereich treffen (Kultur- und Sozialanthropologie, Uni Wien) doch hier haperts doch sehr an der Verfügbarkeit neuester Forschungsergebnisse – vor allem bedingt durch Kürzungen des Bibliotheksbudgets.
Februar 13, 2008 um 6:48 |
Wir Geoforscher an der TU Bergakademie Freiberg haben glücklicherweise vollen elektronischen Zugang zu nahezu allen international wichtigen Geo-Journalen sowie zu etlichen Fachbüchern. Das erleichtert die Arbeit erheblich. Das Problem ist nur, dass nicht alle Unibibliotheken das Glück haben, als DFG-Schwerpunkt eines Fachgebietes gefördert zu werden.
Euer web 2.0-Projekt werde ich gespannt verfolgen.
Februar 15, 2008 um 9:12 |
Prinzipiell können wir hier in Würzburg auch nicht klagen, was den (elektronischen) Zugang zu Fachzeitschriften anbelangt. Trotzdem stößt man immer wieder an seine Grenzen.
Bei “scholarz.net” eröffnen wir hier einen ganz neuen Ansatz: User können ihre Quellen speichern und teilen. Und zwar nicht nur die bibliographischen Daten, sondern auch Zitate, Exzerpte, Grafiken… Alle relevanten Notizen zu einer Quelle. Wenn man diese Zusammenfassungen nun öffentlich stellt, und wenn das mehr als nur ein paar wenige tun, dann entsteht eine riesige Wissens-Bibliothek aus Quellen und Zusammenfassungen. Eine Art Wikipedia für wissenschaftliche Quellen. Wir glauben, dass das eine große Hilfe sein kann.
Februar 19, 2008 um 9:08 |
Jupp, Zugriff auf den Inhalt ist sicher das größte Problem. Google Scholar erlaubt zumindest eine sehr effiziente Suche nach einzelnen Artikeln mit den zugehörigen Zusammenfassung (und ermöglicht sogar einen Export der Ergebnisse nach Bibtex). Aber es gibt immer irgendeinen Artikel, der nicht in der eigenen Bibliothek verfügbar ist (sei es online oder auf Papier). Fernleihe ist zwar eine Möglichkeit, aber die Scans und Kopien sind manchmal so schlecht, dass 2 cm Text am Rand fehlt. Oft kennt man aber noch jemanden, der an einer anderen Uni oder Einrichtung arbeitet und Zugriff auf andere Quellen hat und gibt dort seine Bestellung auf.
Ob eine Web2.0-Anwendung hier weiterhilft weiss ich aber auch nicht. Viele Themen sind ja so speziell, dass sie auf der Welt sowieso nur von wenigen Leuten bearbeitet werden. Dann ausgerechnet in einem Onlineportal eine Schnittmenge zu finden ist sicher nur schwer möglich. Das funktionert sicher nur in den Grundlagenbereichen der verschiedenen Themengebiete, wo man dann aber in starker Konkurrenz zu Fachbüchern steht.
Wo ich mir solches Tool gut vorstellen kann ist innerhalb einer Arbeitgruppe oder eines Projektes um Ideen, Zitate und Notizen zu sammeln um die Arbeit dort nicht mehrfach zu machen.