Das Problem gibt es wohl in jedem Fachbereich: Bücher, die man für die eigene Arbeit braucht, sind oft zu teuer, um sie selbst zu kaufen, aber in der Bibliothek darf man sie deswegen auch meist nicht ausleihen. Also heißt es erstmal Schlange am Kopierer stehen, bevor man dann endlich sein Geld in die heißersehnten Kopien investieren darf.
In vielen Fällen kann da eine Digitalkamera da eine große Hilfe sein.
Fast alle heutigen Modelle produzieren Bilder, die gut genug sind, um einen fotografierten Text am Bildschirm zu lesen. Das Abfotografieren von Seiten geht dabei in der Regel viel schneller als kopieren, kostet kein Geld und man muss außerdem nicht anstehen.
Damit aber noch nicht genug: Die so erzeugten digitalen Bilder lassen sich mit Programmen wie iPhoto und Adobe Bridge sehr gut verwalten. Man kann sie per Stapelverarbeitung umbenennen, ihnen Tags zuordnen, Kommentare schreiben und wichtige Informationen wie Quelle oder Datum der Einsicht in den Metadaten festhalten. So lässt sich mit etwas Übung eine Datenbank aufbauen, die übersichtlich und schnell durchsuchbar ist und vor allem noch einen weiteren Vorteil bietet: Digitale Bilder nehmen keinen Platz im Regal weg.
Und damit noch nicht genug: Der Text der Digibilder lässt sich auch in Textverarbeitungsprogramme importieren. Texterkennungssoftware wie ABBYY FineReader ermöglicht es in den neueren Versionen, Texte von Fotos zu erfassen. Ich habe das ganze am FineReader mal getestet und war überrascht, wie gut die Ergebnisse waren. Natürlich kommt immer mal wieder ein Fehler dazwischen, aber insgesamt kann man auf diese Weise schnell viel Text in den Computer importieren, zumal da man per Stapelverarbeitung auch gleich ganze Bilderserien umwandeln lassen kann.
Zum Ende aber nochmal eine kleine Relativierung: Die Digicam ist kein Allheilmittel. In vielen Fällen genieße ich es, Kopien nicht am Computer lesen zu müssen. Außerdem kann ich Ausdrucke viel leichter und schneller markieren und mit Anmerkungen versehen. Für mich habe ich daher folgende Regel getroffen: Muss ich intensiv mit einem Text abeiten, müssen es defnitiv Kopien sein. Muss ich einen Text aber nur einmal durchlesen, oder brauche ich einen großen Teil des Textes ohnehin in digitaler Form (z.B. auch, um ihn per Suchfunktion zu durchforsten), dann ist die Digicam mein Favorit.
Schlagworte: Bibliothek, Digitalkamera, Kopie, Tools & Tipps
April 7, 2008 um 7:53 |
an der uni münster gibt’s seit einiger zeit den service “scan2mail” (vgl. http://www.ulb.uni-muenster.de/service/lernort/technik.html#scantomail).
damit kann man über die normalen kopierer dokumente einscannen und sich als pdf-datei an seine uni-mailadresse schicken.
zum einem praktisch, weil man dann das dokument auch als datei vorliegen hat, und zum anderen auch eine gute “not-lösung”, falls die kopierkarte mal wieder leer ist.
April 7, 2008 um 8:33 |
Abfotografieren und Nachbearbeiten ist in der Tat eine gute Möglichkeit, Texte für die eigene Arbeit zu archivieren. Und zur Relativierung am Ende des Artikels: es geht ja auch beides, wie oben beschrieben die eigenen Digitalisate (mit dem unschlagbaren Vorteil der Volltext-Durchsuchbarkeit) herstellen und zum intensiven Bearbeiten (lesen, markieren etc.) ausdrucken.
April 7, 2008 um 7:22 |
[...] Das Problem kennt man als StudentIn ja zur Genüge: Fachbücher sind unverschämt teuer, Kopien sind daher das Mittel der Wahl für einen Großteil der Unterlagen – doch gerade diese Kopien sind oft gar nicht so einfach zu machen wie man sich’s denken würde….Man wartet eine halbe Ewigkeit um endlich am (vielleicht sogar einzigen) Kopierer der Präsenzbibliothek endlich kopieren zu können und was passiert dann? Papierstau, der Kopierer läuft heiß und braucht daher eine kleine “Kühlpause” und/oder die nächste Vorlesung hat schon längst wieder angefangen. Das klingt übertrieben? Ach was, ist mir alles schon passiert. Scholarz.blog hat jetzt aber eine innovative (wenn auch nicht billige) Lösung vorgeschlagen: Das Kopieren mittels Digitalkamera und die spätere Bearbeitung der Bilder mit einer Schrifterkennungssoftware. Klingt kompliziert? Ich würd sagen: Probieren geht über Studieren. Weitere Infos hier. [...]
April 8, 2008 um 11:42 |
Ich habe das auch schon seit Jahren so gemacht, aber ich bin mir nicht ganz sicher, ob das rechtlich einwandfrei ist. In der Bibo habe ich es nie gemacht, sondern wenn, dann habe ich mir das Buch ausgeliehen. Auf alle Fälle darf man nicht seine Kopien an andere Leute verteilen.
April 8, 2008 um 12:12 |
@Sebastian:
Das mit der rechtlichen Lage ist wirklich so eine Sache. Gestern hat z.B. ein amerikanischer PhD-Student in unserem englischen Blog erzählt, dass man bei Ihnen wegen copyright echt Ärger bekommen kann.
Ich habe gestern mal ein bischen dazu recherchiert. Scheinbar ist das eine Grauzone, aber in den Pressemitteilungen unserer UniBib stand, dass seit 2006 die Gesetze in Bezug auf Digitalisierung von Printmedien verschärft wurden, gerade auch in Bezug auf die Unis. Mittlerweile wenden sich viele gegen diese Politik, da sie die Forschungsfreiheit der Unis einschränkt (siehe z.B. http://www.urheberrechtsbuendnis.de/).
Andererseits ist es dann komisch, dass man in Münster Bücher sogar an Kopierern einscannen und per Mail verschicken kann, wie Viola oben berichtet. Ich sehe keinen großen Unterschied zwischen Fotografieren und Einscannen. Wir werden uns da in nächster Zeit mal schlau machen und einen Post darüber schreiben.
April 19, 2008 um 12:52 |
Noch ein Vorteil von digitalen Kopien: Man kann sie sichern. Das finde ich bei meiner Masterarbeit derzeit sehr beruhigend – selbst falls meine Wohnung abbrennt habe ich von den meisten Dokumenten ein Online-Backup.