PaM: Scanstifte
Als ich vor ein paar Jahren das erste Mal von Scannstiften hörte, erschien es mir wie ein Traum: Ich sah mich schon wohlgelaunt in der UniBib sitzen und einfach mit meinem textmarkergroßen Scanner über die Zeilen der Bücher hinwegfahren, während die anderen um mich herum noch angestrengt und genervt jede interessante Information abtippten oder handschriftlich exzerpierten.

Das Vorbild für meinen Traum aus der Werbung für den Hexaglott Infoscan (Quelle)
Es ist nun ein Jahr her, dass ich mir tatsächlich so einen Stift gekauft habe - Zeit, davon zu berichten:
Die derzeit gängigsten Geräte, die man auf dem Markt findet, sind der IRISPen, der C-Pen und der Hexaglott Infoscan (berichtigt mich bitte, wenn ich einen vergessen habe). IRISPen und C-Pen sind kabelgebunden, der Infoscan dagegen kabellos (was ihn natürlich für die Bib recht attraktiv macht). Alle Modelle kosten so um die 130-150 Euro und bieten neben reinem Einscannen noch eine Reihe von Software, die z.B. automatisches Übersetzen oder ein automatisches Einpflegen der Daten in eine Tabelle oder auch eine Adressdatenbank ermöglichen. Ich habe mich schließlich für den IRISPen entschieden - notgedrungen, da dies der einzige Stift ist, der Mac OSX unterstützt.
Natürlich musste ich meinen anfänglichen Traum etwas korrigieren, hier einige “Traumzerstörer”:
- Da der IRISPen kabelgebunden ist, muss er immer an einen Computer angeschlossen sein um zu Arbeiten (was der Hexaglott Infoscan z.B. nicht muss). Beim Einscannen nervt das Kabel manchmal, und in der Bib sitze ich nun nicht nur mit meinem Stift, sondern mit Notebook und allem, was dazu gehört. Für mich nicht so schlimm, da ich mein Notebook vorher auch dabei hatte, aber natürlich nicht meinem Traum entsprechend.
- So locker und leicht, wie die Leute auf den Werbebildern mit den Stiften über die Seiten gehen, ist das alles nicht. Mit einem Scanstift scannen ist eine Technik, die einige Übung braucht. Zudem muss man das Buch häufig mit einer Unterlage fixieren, damit man den Stift gerade durchziehen kann.
- Stichwort Erkennungsrate: Die meisten Hersteller werben mit einer Erkennungsrate von 97-98%. Hört sich super an, aber es ist wichtig, worauf sich diese Zahl bezieht, denn 97% heißt ja 3 Fehler aus Hundert. Bezieht sich die Zahl auf Wörter ist das schon ok, bezieht sie sich aber auf Zeichen bedeutet das bei einem Word-Dokument von ca. 80 Zeichen pro Zeile fast einen Fehler pro Zeile. Beim IRISPen bezieht sich die Zahl angeblich auf die Wörter. Dennoch hängt meiner Erfahrung nach das Ergebnis von einer Fülle von Faktoren ab: Wie geübt ist man mit dem Stift, wie gut ist die Vorlage, wie gerade kann man die Seiten machen (besonders bei großen Büchern), wie groß ist die Schrift, etc.
Mein Fazit: Auch wenn es einiger Übung bedurfte, mit meinem Scanstift klarzukommen, hat es sich meiner Ansicht nach gelohnt. Zwar ist das Arbeiten mit Kabel und Computer noch einiger Aufwand, aber es erleichtert das exzerpieren dennoch ungemein. Man muss sich jedoch im Klaren sein, dass die eingescannten Texte nie perfekt sind - es sind immer einige Fehler drin. Man kann sie dann zwar noch problemlos lesen, aber zum zitieren muss man sie nochmal überarbeiten. Den Scanstift verwende ich daher meistens beim “Erstkontakt” mit Büchern: erstmal alles wichtige aufnehmen, egal, ob ein paar Fehler mit reinkommen. Da es mit dem Scanstift wirklich sehr schnell geht, ist man auch geneigter, größere Textstellen zu exzerpieren. Ganz nett sind da auch die beiden Knöpfe am IRISPen, die man beliebig belegen kann, z.B. mit <enter> oder <delete>, um so nicht beim Scannen immer wieder in die Tastatur greifen zu müssen. Hat man dann alles wichtige im Computer, kann man später, wenn es an das Schreiben geht, die relevanten Textstellen auswählen und diese nochmal korrigieren. Meiner Erfahrung nach übernimmt man ohnehin nur einen Bruchteil der Exzerpte als Zitate, daher ist es bei dem Rest nicht so schlimm, wenn ein paar Fehler drin sind. Insgesamt ist ein Scanstift daher gerade beim Sammeln von Informationen eine echte Arbeitserleichterung und Zeitersparnis.
Und noch ein Tipp an alle, die bereits mit scholarz.net arbeiten: auch scholarz.net lässt sich sehr gut mit einem Scanstift “befüllen”. Die meisten meiner Exzerpte füge ich hier erstmal mit dem Scanstift ein, und wenn ich sie öffentlich stellen will, überarbeiten ich sie in der Regel nochmal.
Natürlich bin ich sehr interessiert an weiteren Erfahrungsberichten, besonders auch über die anderen Scanstifte. Ich bitte daher jeden, der etwas dazu beitragen kann, um seinen Kommentar.
Schlagworte: Scanstift
Mai 6, 2008 um 7:15 Uhr vormittags
Ich verwende den gleichen Stift wie Alex. Unter Windows bin ich sehr zufrieden mit ihm. Kaum Fehler, schnelles Arbeiten, gute Hilfe. Auf meinem Mac hingegen finde ich ihn mehr schlecht als recht.