Seinen Ursprung hat der Talar als akademische Kleidung bereits im Mittelalter gefunden. Es stammt vom lateinischen Wort „talus“ und bezeichnet einen knöchellangen Mantel, der sich durch weit ausgeschnittene Ärmeln auszeichnet. Dabei war das Gewand kein Blitzgedanke eines zeitgenössischen Schneiders, sondern eine Übernahme klerikaler Strukturen: Die Universitäten entstammten den Domschulen und Ordenstudien der Kleriker, sodass sich allmählich der Mantel als geistliche Kleidung bei den Dozenten der Hochschulen durchgesetzt hatte. Dass das Gewand bis zum Boden reichte, lag jedoch daran, dass es in den Universitätshallen zugig und kalt war.
Heutzutage trägt jede Fakultät ihre eigenen Farben. So tragen beispielsweise die Mediziner einen Talar in scharlachroter Farbe, während die landwirtschaftliche Fakultät ein grünes Gewand hat (siehe auch Universität Bonn). Doch, was heute als fortgeführte Tradition vorkommen mag, war das Resultat eines jahrzehntelangen Kompromisses: Bereits zu preußischer Herrschaft im 18. Jahrhundert pochten die Amtsträger der Universitäten auf eine „in ihrem Ansehen gerechte Amtstracht“. Die preußische Regierung einigte sich anschließend darauf, dass die Professoren nur in schwarzer Kleidung auftreten durften. Einzige Voraussetzung: Die Kleidung durfte höchstens mit einer Silberstickerei auf der Brust oder am Kragen verziert sein. Erst am 17. August 1853 (!) legte das Kultusministerium in Berlin die Farben für die einzelnen Fakultäten fest. Grund dieser lahmen Entscheidung, war ein Streit zwischen dem Kurator Rehfues mit dem Erzbischof von Köln Graf Spiegel, die sich über die Amtstracht für die Geistlichen der Katholisch-Theologischen Fakultät uneinig waren.
Eine Krise erlebte der Talar in Deutschland erstmals durch die Studentenbewegungen 1968, die die autoritäre Grundhaltung der Professoren in Frage stellten. Tobende Proteste und Anti-Parolen von Studenten beherrschten damals das Straßenbild. Legendär wurde das Plakat mit der Aufschrift „Unter den Talaren- Muff aus 1000 Jahren“- eine Anspielung der Hamburger Studenten Detlev Albers und Gert Hinnerk Behlmer auf Hitlers “1000-jähriges Reich” und auf die Nazi-Vergangenheit der Professoren. Als Folge der 68-er Revolte schafften die Universitäten den Talar der Professoren ab, der fortan nur für die Garderobe geeignet war. Doch nicht alle, zogen mit: So entschied sich die Universität Bonn den Talar nicht abzuschaffen. Dort feiert das Gewand mittlerweile eine Tradition von anderthalb Jahrhunderten.
Talar in anderen Ländern
Eine andere Grundeinstellung zum Talar herrschte im angloamerikanischen Kulturraum. Anders als in Deutschland trugen und tragen noch heute die Studenten lange Gewänder, die in den USA teils beim Abschluss der High School getragen werden.
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